Trinklied vom Jammer der Erde II

trinklied vom jammer der erde II  (dunkel ist das leben ist der tod)

Besetzung: Oboe, Horn, Klavier
Dauer: 8′
UA: 1.12.2011, Lviv, Ukraine
Ensemble Nostri Temporis

Das Stück ist ein erster Versuch einer Karnevalisierung von Musik bzw. einer Ästhetik des Grotesken nach der philosophischen Theorie Michail Bachtins. Diesbezüglich eignet sich Gustav Mahler als Referenz, da er, als Komponist einer Zeit großer Veränderungen, mit seinem Schaffen sowohl Endpunkt als auch neuen Anfang markiert. Die heutige Zeit steht wohl noch mehr im Zeichen großer Umwälzungen, denen, nach Bachtin, auch immer eine gewisse Karnevalisierung des Bewusstseins vorausgehen. Die Aufhebung gültiger Normen und Auflösung von Hierarchien, das exzentrische Verhalten, die Entweihung und Verneinung jeglicher Form von Pathos, schlussendlich die groteske Gestalt des Aufbrechens, des Hervorstehenden, Auseinanderklaffenden und Unabgeschlossenen, vereinfacht die starke Heterogenität, dies alles zeigt sich im Karneval und versuche ich in die Komposition einfließen zu lassen.

Im Gegensatz zu Gustav Mahler sieht diese Musik Zeit und Veränderung, Anfang und Ende, nicht individuell, sondern universal, und so sprechen die zitierten Zeilen dunkel ist das Leben ist der Tod, die die rhythmische Grundlage der gesamten Musik bilden, nicht mehr von einer Furcht vor Dunkelheit und Tod, sondern vom Verschlingenden und Wiedergebärenden, Zerstörenden und neu Schaffenden, dem ewig Wachsenden und sich Erneuernden, welchem schlussendlich mit dem befreienden und schöpferischen Lachen der mittelalterlichen Karnevalskultur erwidert werden kann: dunkel ist das Leben ist der Tod🙂 !

Das Stück ist ein Auftragswerk des Ensemble Nostri Temporis.