a söchtener reuter möcht i wern

“a söchtener reuter möcht i wern” (2013)

Besetzung: Flöte (auch Piccolo), Violoncello, Akkordeon
Dauer: 9 Minuten
UA: 26.9.2013, Taipeh, Taiwan, Trio Amos

Der Titel des Stücks bezieht sich auf die Geschichte Kaspar Hausers. Und zwar handelt es sich bei dem Zitat um den ersten Teil jenes Satzes, den Kaspar Hauser als 16jähriger bei seiner Auffindung am Hauptplatz von Nürnberg aussprach – „a söchtener Reuter möchte i wern, wie mein Voater gwen is“ (ein solcher Reiter möchte ich werden wie mein Vater gewesen ist).

Die Musik nimmt Bezug auf Kaspar Hauser beziehungsweise dessen Situation, fern von sozialem und kulturellem Umfeld aufgewachsen zu sein und plötzlich in eine Gesellschaft geworfen zu werden. Sie versucht das Spannungsfeld zwischen Kultur und Freiheit auszuloten. Dabei soll es nicht um die bewusste Verneinung der Tradition bzw. ein absichtliches Vermeiden jedes historischen Zusammenhangs gehen, wie es die Moderne in den 50er Jahren in der sogenannten „Stunde Null“ vorhatte, da dies, im Sinne einer negativen Dialektik, auch nur als Produkt eines in diesem kulturellen Umfeld Lebenden verstanden werden kann. Im Gegenteil wird versucht, eine Musik im Sinne Kaspar Hausers zu schaffen, die geprägt sein soll von jenem kindlich freien Umgang mit unterschiedlichsten auch traditionellen Materialien, von leichtfertigen Aneignungen sowie quasi widersprüchlichen Durchmischung, ähnlich einer Art Brut nach dem Verständnis von Jean Dubuffet.