pressestimmen zu gegen die wand

Scheune in Himmelblau

Wie rennt man musikalisch gegen die Wand? Matthias Kranebitter hat eine Antwort gefunden. Der Wiener Komponist, Jahrgang 1980, hat für die Fredener Musiktage ein kurzes Trio komponiert, besetzt mit Klarinette, Violine und Kontrabass. Es trägt den Titel „Gegen die Wand“ und ist am Mittwoch in der Fredener Zehntscheune uraufgeführt worden.

Zuvor stellte Adrian Adlam, künstlerischer Leiter der Musiktage, den Komponisten in einem kurzen Gespräch vor. Kranebitter hat in diesem Trio eine musikalischer Pantomime umgesetzt. Dabei bevorzugt er eine Tonsprache, die nach seinem eigenen Bekunden „für den Außenstehenden wahrnehmbar und nachvollziehbar ist“. Er schildert in seinem Stück „verschiedene Charaktere in der Art einer Karikatur“. Dabei ist ihm wichtig, dass die Musiker auch optisch erkennen lassen, was sie darstellen. Die Vortragsangaben machen diesen Ansatz plausibel. Hier soll sich ein Musiker „ungestüm“ präsentieren, dort „cholerisch“, dann „primitiv spöttisch“. Der Titel spiegelt sich in der Form. Denn komponiert ist ein ständiges Anrennen, das letztlich scheitert, indem die Musik abbricht.

„Gegen die Wand“ ist ein sehr unterhaltsames Stück, in dem Kranebitter seine erklärte Absicht, das Pathos der zeitgenössischen Musik zu brechen, mit viel Humor umsetzt. Dass er eine ziemlich komplexe Partitur mit (eigentlich) recht vertrackten Rhythmen schreibt, war in der entspannten, souveränen Interpretation von Hwa-Won Pyun (Violine), Michael Heitzler (Klarinette) und Thierry Gavard (Kontrabass) kaum zu bemerken. Die drei Mitglieder der Camerata Freden hatten sichtlich Spaß an dieser Uraufführung, der sie zu einem respektablen Erfolg verhalfen.

5.8.2011, Göttinger Tageblatt, Michael Schäfer