pressestimmen zum apfel aus basra

Höhepunkt des Abends war Matthias Kranebitters Schicksal. Fanden sich viele Ähnlichkeiten in der dramaturgischen und musikalischen Konzeption der Werke von Koutnik, Wildling und Spuller, so begab sich Kranebitter in eine dezidiert andere Tonsprache.  Viel dichter und sprunghafter gibt sich Der Apfel aus Basra – eine Geschichte rund um einen Apfel, der als Geschenk gedacht, dem Schenkenden und der Beschenkten den Tod bringt. Kranebitter macht sich die Übertreibung des Bekannten zu Nutze und steigert so das humoristische Element, das sich auch bei Wildling schon fand, noch viel weiter. Im Programmheft spricht er von Ironie und Groteske. So beantwortet Kranebitter die sich selbst gestellte Frage, warum denn diese Menschen auf der Bühne singen, mit einer “pathologischen Verhaltensstörung der Charaktere”. Auch durch die komplexere Stimmführung und Instrumentierung gewinnt die Sprache an Spannung, Reibung und mehr Eigenständigkeit. Sie ist teilweise lautmalerisch, erzählt vieles dem Text nach, biegt aber auch manchmal ab und beginnt eigene Erzählstränge, also Rahmenhandlungen wie Burghart Schmidt sie nannte, zu bauen. Und immer wieder erreichen das Publikum mit der heißen Luft neue Farben und Fetzen von Tanzmusik und Anklänge an Wohlbekanntes (war da etwa Frére Jacques?)  1.september 2011, TERZ, Andreas Karl

„Der Apfel aus Basra“ wurde von Matthias Kranebitter mit viel Glissando „herausgeputzt“, auf dass er seine verhängnisvolle Wirkung ausüben könne. Die Oper erzählt von einem Kaufmann, der seiner kranken Frau einen Wunsch erfüllt: er bringt ihr einen Apfel aus Basra mit. Dieses begehrliche Obst gerät aber durch den Sohn des Kaufmanns, der ihn heimlich als Spielzeug benützt, auf „Abwege“. Als ihn der Kaufmann zufällig in den Händen eines Sklaven wiederfindet, der behauptet, ihn von seiner Geliebten erhalten zu haben, sieht der Kaufmann rot. Er ersticht seine Frau. Über den Sklaven ist der Apfel inzwischen in das Haus des Wesirs gelangt, der über den Kaufmann und seine Mordtat richten soll. Der Wesir erkennt die Zusammenhänge, seine Tochter futtert den Apfel auf – und der Sklave wird zur „Ehren der Rechtsprechung“ geköpft.
Kranebitter gab seiner Musik – gemäß der komplexen, etwas verschachtelten Handlung – mehr Raum, führte mit einer längeren, vertanzten Orchestereinleitung in die Geschichte ein. Auch die Reise des Kaufmanns war ihm einige Takte wert. Kurze Rezitative förderten die Textverständlichkeit. Manchmal sprühte die Üppigkeit eines von Gewürzen und Speisegerüchen, von kostbarem Geschmeide durchwirkten Basars auf, wie ein ferner Anklang an orientalische Phantasien des 19. Jahrhunderts. Kranebitters Ziel war es, so steht es im Programm, eine ironische Haltung einzubringen, die das Pathos ein wenig unterminiert. In den Szenen mit der kranken Frau, ihrem schwebenden, fast keusch zu nennenden Gesang, mischten sich Leid und eine ironische Distanz zu einem einprägsamen akustischen Erlebnis. 25.8.2011, Oper in Wien, Dominik Troger


 
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